Dicke Luft?
05.12.2016 Ausgabe: 8/16

Werden Fenster erneuert, leidet oft die Qualität der Wohnraumluft. Lüftungssysteme schaffen Abhilfe und schützen die Gebäudesubstanz.

Die Modernisierung von Bestandsgebäuden mündet nicht zwingend in eine energetische Vollsanierung. Häufig werden nur kleinere Instandsetzungsmaßnahmen an der Fassade vorgenommen und z. B. die Fenster ausgetauscht. Ziel ist es vor allem, die Heizkosten und mit dem Energieverbrauch auch die Schadstoffemissionen zu senken. Die verbesserte Technologie der Fenster und die Tatsache, dass Dreifach-Verglasung heute fast überall Standard ist, bringen viele positive Effekte für die Energieeffizienz mit sich. Doch hat die um ein Vielfaches höhere Dichtigkeit moderner Fenster meist auch direkte Auswirkungen auf die Qualität der Raumluft.

Die luftdichte Bauweise moderner Fensterkonstruktionen lässt einfach nicht mehr zu, dass Feuchtigkeit aus der Raumluft nach draußen geleitet wird. In der Folge steigt drinnen die CO2-Konzentration. Da vielen Wohnungsnutzern dies nicht bewusst ist, behalten sie auch nach Sanierungen ihr gewohntes Lüftungsverhalten bei. Ohne regelmäßiges Lüften, das z. B. für Berufstätige während der Arbeitszeit kaum zu leisten ist, steigt jedoch der Schadstoff- und Feuchtegehalt in der Raumluft stetig an. Das ist nicht nur schädlich für die Gesundheit, sondern auch für die Bausubstanz. Komfort-Wohnraumlüftungssysteme schaffen hier Abhilfe: Sie bannen die Schimmelgefahr und minimieren Gesundheitsrisiken. Für Eigentümer und Verwalter hat dies den entscheidenden Vorteil, dass Reklamationen von ­Wohnungsnutzern und kostenintensive ­Schadensanierungen vermieden werden können.

Wann wird ein Lüftungskonzept erforderlich?

Nach DIN 1946-6 ist bei Sanierungen immer dann ein Lüftungskonzept für Wohnräume erforderlich, wenn im Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster einer Nutzungseinheit ausgetauscht werden, oder wenn im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster ausgetauscht bzw. mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet werden. Dank ihrer klaren Ausführungen zu den Anforderungen an die Raumlufttechnik wird DIN 1946-6 mittlerweile als aktueller Stand der Technik anerkannt und angewendet.

Gesicherter Feuchteschutz und optimale Luftqualität

Ein Lüftungskonzept kann von einem Architekten, Planer, Energieberater oder Fachbetrieb bestenfalls in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn erstellt werden. Es ist notwendig, den erforderlichen Luftwechsel für jede einzelne Wohneinheit exakt zu berechnen und dessen Sicherstellung nachzuweisen. Auf Basis dieser Luftmenge erfolgt dann die Auswahl und Festlegung eines Lüftungssystems bezogen auf die gesamte Gebäudenutzfläche.

Die Ermittlung des Mindestluftwechsels hängt 1. von der Größe der Wohnung und der Anzahl der Bewohner ab und berücksichtigt 2. unterschiedliche Nutzungssituationen bzw. das Nutzerverhalten der Bewohner.

Zur Auswahl stehen verschiedene lüftungstechnische Lösungsansätze, die auch nachträglich eingebaut werden können. Sie werden grundsätzlich unterschieden in „freie“ und „ventilatorgestützte“ Lüftungssysteme.

Freie Lüftungssysteme

Unter „freier Lüftung“ versteht man die Querlüftung (z. B. über den Fensterfalz) oder Schachtlüftung (Auftriebslüftung). Alle Systeme der freien Lüftung stehen in direkter Abhängigkeit von klimatischen Rahmenbedingungen wie Winddruck und ­Temperaturdifferenzen. Planerisch ist somit eine sichere Einhaltung der normativen Luftmengen kaum erreichbar. Generell ist bei der Installation eines Wohnraumlüftungssystems darauf zu achten, dass Zulufträume wie Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer mit frischer Luft versorgt werden, wohingegen die Entsorgung der verbrauchten Luft über Ablufträume wie Bad, WC oder Küche erfolgt. Diese Unterteilung ist bei „Fensterlösungen“ und allen anderen Lüftungsansätzen der freien Lüftung nur bei passender Windrichtung sicherzustellen. Darüber hinaus sind wichtige Aspekte wie ­Lüftungskomfort, ­Wärmerückgewinnung, Schallschutz, Pollen- und Insektenschutz durch die Systeme der freien Lüftung nur bedingt lösbar.

Ventilatorgestützte Lüftungssysteme

Ventilatorgestützte Wohnraumlüftungen verfügen über Filter. Sie verbessern die Luftqualität um mehr als 50 Prozent und halten einen Großteil der Pollen und Feinstaubpartikel fern. Auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu vernachlässigen: Bewohner eines Gebäudes mit ventilatorgestützte Wohnraumlüftung müssen sich beim Verlassen des Hauses keine Gedanken darüber machen, ob die Fenster, die sie zum ausgiebigen Lüften offen gelassen haben, eine Einladung für Einbrecher sind. Vielmehr können sie Fenster während ihrer Abwesenheit grundsätzlich geschlossen halten und haben bei der Rückkehr dennoch frische Luft in der Wohnung. Bei ventilatorgestützten Systemen wird hauptsächlich zwischen Abluftsystemen und kombinierten Zu-/Abluftsystemen unterschieden. Bei Abluftsystemen saugen Ventilatoren in den Feuchträumen (z. B. Küche, Bad) die Luft ab und führen diese nach draußen. Frische Luft strömt über Außenluftdurchlässe in den Aufenthaltsräumen (z. B. Wohnzimmer, Schlafzimmer) nach. Mit der abgeführten Luft wird die vorhandene Feuchtigkeit zwar sicher entfernt, aber mit ihr geht auch die darin enthaltene Wärme verloren. Eine energetisch optimale Lösung bieten nur Zu-/Abluftsysteme mit Wärmerückgewinnung. Diese Systeme stehen als zentrale und dezentrale Lösungen zur Verfügung. Bei fachgerechter Planung erfüllen sie die Anforderungen der EnEV bzw. DIN 1946-6 in vollem Umfang.

Flexible Lösungen für die Wohnraumlüftung

Innovative, individuell planbare Lüftungssysteme für neu zu errichtende oder bestehende Wohngebäude gibt es als zentrale oder dezentrale Varianten, die in der Betondecke, in der Dämmung, unter der Decke oder in der Wand installiert werden können. Für den nachträglichen Einbau, z. B. nach energetischen Sanierungsmaßnahmen, eignen sich vor allem die ­Systemlösungen unter der Decke und in der Wand.

Zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage?

Wenn eine Nutzungseinheit komplett mit einem Lüftungsgerät versorgt wird, spricht man von einem zentralen Lösungsansatz. Zentrale Lüftungsanlagen lassen sich in der Betondecke, in der Dämmung und unter der Decke realisieren – meist unkompliziert und in vielen Wohnungsgrundrissen. Bei nachträglicher Installation, z. B. im Rahmen einer Sanierung, werden die Zu- und Abluftkanäle platzsparend im Flur unter der Decke verlegt. Die vorhandene Zimmerhöhe in den Wohnräumen bleibt voll erhalten.
Im Unterschied dazu versorgen dezentrale Lüftungsgeräte jeweils nur einen Raum der Wohnung oder des Hauses. Diese Einzelraumlüftungen werden in der Außenwand installiert. Der Vorteil dezentraler Lüftungsanlagen liegt im geringen baulichen Aufwand und dem platzsparenden Einbau in der Außenwand. Auch sie sind daher für den nachträglichen Einbau interessant. Verfügen solche Einzelraumlüfter zusätzlich über Wärmerückgewinnung, bleibt die Temperatur der Zu- und Abluft permanent in Balance.

Fazit

Ein ausreichender Luftwechsel sollte bei ­Neubau und Sanierung stets sichergestellt werden. Die Grundlagen dafür sind vorwiegend in der Wohnungsgröße und der vorgesehenen Zahl der Nutzer zu finden. Um Haftungsrisiken auszuschließen, und insbesondere bei Inanspruchnahme von Fördergeldern, sollte zwingend auf eine normen- und zulassungskonforme Planung, Berechnung und Umsetzung geachtet werden. Mithilfe einer modernen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung lassen sich Energieeinsparungen und ein gesundes Raumklima sicher realisieren.

Foto: © Gts / Shutterstock.com


Schlagworte:
Fensteraustausch,Wohnraumlüftung,Wärmerückgewinnung

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