Ganz schön smart!
20.01.2017 Ausgabe: 1/17

Smart Metering: Was ist das eigentlich? Und brauchen wir das wirklich?
Es spricht einiges für die digitale Erfassung und Abrechnung von Verbrauchsdaten.


as Thema Digitalisierung ist derzeit in aller Munde, und der Prozess vollzieht sich in den verschiedensten Branchen. Auch Verbrauchserfassung und -abrechnung bleiben von diesem gesellschaftlichen Megatrend nicht unberührt: Neue Potenziale und Möglichkeiten werden geschaffen Grund dafür sind vor allem technische Innovationen, aber auch die gesteckten Energieziele der Europäischen Union, die im Jahr 2012 in der Energieeffizienz-Richtlinie manifestiert wurden. Oberstes Ziel der europäischen Staaten ist die Reduzierung des Primärenergieverbrauches bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent. Erreicht werden kann es nur durch ein Maßnahmenbündel zur Stärkung der Energieeffizienz.

Das für die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sieht in der Steigerung der Energieeffizienz eine der wichtigsten Säulen der Energiewende. Durchaus realistisch, denn in Deutschland gibt es noch viel Potenzial zur Einsparung von Energie. Allein der Wärmesektor fällt beim Energieverbrauch mit einem Anteil von über 50 Prozent am stärksten ins Gewicht und birgt somit erhebliche Einsparmöglichkeiten, von denen Mieter, Verwalter und Eigentümer profitieren würden.

Allerdings sind neue technische Entwicklungen unumgänglich, um das theoretisch vorhandene Potenzial auch abrufen zu können. Zu diesem Zweck hat das BMWi das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende auf den Weg gebracht. Im Zentrum steht die Forderung nach intelligenten Mess-Systemen. Sogenannte „Smart Meter“ und das „Automatic Meter Reading“ sollen Verbrauchsdaten vollautomatisch erfassen. Die Wohnungswirtschaft setzt intelligente Zähler für die Erfassung des Wasser- und Wärmeverbrauchs bereits in großem Stil ein. Auch erste Wohnungseigentümergemeinschaften setzen bereits auf die neuen Mess-Systeme − Tendenz steigend. Die Vorteile liegen auf der Hand: Smarte Zähler schaffen Transparenz, entlasten zudem Messdienste, Immobilienverwalter und Mieter.

Smart Metering von Wasser und Wärme

Für die digitale Verbrauchsdatenerfassung sind ein Automatic Meter Reading (AMR) Funksystem und eine Plattform zum Monitoring der Messgeräte notwendig. Eine solche Systemlösung, die aus den verbauten Wasser- und Wärmezählern, einigen Netzwerk-Knoten und einem Gateway besteht, stellt vollautomatisch alle gewünschten Zählerdaten in verschiedenen Dateiformaten und zu ausgewählten Zeitpunkten bereit − typische Nutzer sind Wohnungsbaugenossenschaften und Messdienstleister. Die Ablesung von Wärme- und Wasserverbräuchen ist damit ortsunabhängig möglich – der Personaleinsatz vor Ort ist nicht mehr nötig. Die von den Zählern gemessenen Verbrauchswerte werden an den Funk-Knoten erfasst und innerhalb des Netzwerkes versandt. Die Fernauslesung, also die Datenübermittlung an den Nutzer, übernimmt das Gateway. In der Praxis ist die Vermietung der Geräte üblich. Die Kosten dafür werden anteilig auf die Mieter umgelegt. Die komplette Installation eines AMR-Mess-Systems dauert heute nur wenige Tage. Selbst Umrüstungen oder Ausstattungen fertiger Rohbauten sind unproblematisch. Da innovative Netzwerk-Knoten und Gateways mit Batteriestrom betrieben werden, entfällt das nachträgliche Verlegen von Kabeln. Durch den flexiblen Einbau werden auch mögliche Funkstörquellen umgangen. Ein solches System ist weiterhin jederzeit um beliebig viele Zähler und Netzwerkknoten erweiterbar. Daher funktioniert es für Gebäudekomplexe jeder Größenordnung.

Ablesung und Abrechnung

Die digitale Ablesung und die Abrechnung über ein AMR-System sind denkbar einfach. Die Werte aller Messgeräte werden je nach Bedarf zum Beispiel zweimal monatlich per E-Mail gesendet. So liegen die Daten immer schon vor, ohne dass jemand wie bei den herkömmlichen walk-by-Systemen zur Ablesung vorbeischauen muss. Die jährliche Hauptablesung vor Ort entfällt, ebenso nötige Zwischenablesungen, beispielsweise bei einem Mieterwechsel. Auch die Abrechnung wird damit zeitlich flexibler.

Smart Metering Systeme erfassen eine Vielzahl von Daten. Deren Sicherheit und Schutz hat höchste Priorität und muss technisch gewährleistet sein, z. B. durch die Verschlüsselung aller Datenströme der AMR-Netzwerke. Von entscheidendem Vorteil ist es, wenn sich die Server des Dienstleisters in Deutschland befinden, womit die höchsten deutschen Anforderungen an die Datensicherheit erfüllt sind. Die Verbrauchsdaten selbst sollten anonym erhoben und verschlüsselt versandt werden – zunächst ohne direkten Personenbezug. Die Verknüpfung mit den Personendaten erfolgt erst bei der Abrechnung. Auf diese Weise haben weder Technik-Anbieter noch Messdienstleister Zugriff auf persönliche Daten von Mietern. Beispielhaft ist hier die cloudbasierte Smart Metering Plattform mit den dazugehörigen AMR-Systemen der Qundis GmbH, die bereits von mehr als 50 Großkunden wie Messdienstleistern und Wohnungsbaugenossenschaften genutzt wird.

Vorteile für Verwaltung und Bewohner

Die Smart Metering Technologie macht Immobilienverwaltern das Leben leichter. So sind etwa durch das ständige Monitoring mit Hilfe des Systems Gerätestörungen für Messdienstleister unverzüglich erkennbar – bevor Verwalter oder Mieter Notiz davon nehmen können. Der nötige Austausch kann sofort vorgenommen werden. Auch der Aufwand für die Vereinbarung und Ankündigung von Ableseterminen entfällt − damit auch für Wohnungsnutzer die Notwendigkeit, anwesend zu sein. Die Abrechnung ist mit Hilfe der Technik noch schneller erstellt, und Verbrauchsschätzungen, weil zur Ablesung niemand zu Hause war, sind nicht mehr nötig, da das System alle zurückliegenden Verbrauchswerte speichert.

Entlastet werden auch die Bewohner, die sich nicht mehr eigens für den Ablesetermin Urlaub nehmen müssen und denen bei einem Umzug keine zusätzlichen Kosten für die Zwischenablesung mehr entstehen. Darüber hinaus bieten die Smart Metering Systeme zukünftig weitere interessante Perspektiven. Derzeit arbeiten Messgerätehersteller und Immobilienverwalter an der Entwicklung von Mieterportalen und Apps, die auch Bewohnern jederzeit Einblick in ihre Verbrauchsdaten geben – ein möglicher Anreiz zum Energiesparen.

Energie sparen durch Transparenz

Schon jetzt nutzen Wohnungsbaugenossenschaften Online-Mieterportale, um ihre Hausbewohner über den persönlichen Wasser- und Wärmeverbrauch zu informieren. Untersuchungen der Europäischen Kommission und der Deutschen Energieagentur zufolge führt die kontinuierliche Verbrauchsübersicht zu Einsparungen von bis zu 30 Prozent bei den Energie- und Heizkosten. Die digitale Verbrauchserfassung und -abrechnung von Wasser- und Wärme zeigt sich damit als effizienter Ansatz für die Energiewende. Dabei macht der Trend zur automatisierten, unterjährigen Verbrauchserfassung auch vor der Versorgung mit Strom und Gas nicht halt. Erklärtes Ziel ist die Zusammenführung der Verbrauchsdaten aller Medien, also Wärme, Wasser, Strom und Gas. Über die Gateways sollen zukünftig die Daten aller Verbrauchsmedien gebündelt werden, um allumfängliche Transparenz zu schaffen.

Fotos: © glebchik, agsandrew / Shutterstock.com


Schlagworte:
Verbrauchsdaten,Abrechnung,Erfassung

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