Keine Angst vor ­energetischen Sanierungen!
20.07.2017 Ausgabe: 5/17

DDIV und EBZ stellen den Lehrplan für den Zertifikatslehrgang „Geprüfte/r KlimaVerwalter/in“ vor.

Deutschlands Gebäudebestand ist in die Jahre gekommen. Häuser, die in den 1960er und 1970er Jahre errichtet wurden, sind in vielen Fällen energetisch nicht auf dem neuesten Stand. Angesichts des durchschnittlichen Baualters von Mehrfamilienhäusern und unter Berücksichtigung eines normalen Sanierungszyklus von 75 Jahren ist in den nächsten Jahren mit einem weiterhin steigenden Sanierungsbedarf zu rechnen. 
Bis 2050 soll der Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein. Aktuell entfallen 35 Prozent des Energieverbrauchs auf Wohngebäude, die etwa 30 Prozent der Treibhausgasemissionen verursachen. Daher ist zum einen eine deutliche Reduktion des Verbrauchs nichterneuerbarer Primärenergien im Wohngebäudesektor und zum anderen eine Erhöhung der Energieeffizienz erforderlich. In diesem Zusammenhang spielen Immobilienverwalterinnen und -verwalter als Initiatoren aber auch bei der Vorbereitung und Umsetzung energetischer Maßnahmen eine maßgebliche Rolle.
Mehr als 86 Prozent der Branchenvertreter sind laut einer Bildungsumfrage – die der DDIV gemeinsam mit dem Europäischen Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ) 2016 durchführte – der Ansicht, dass das Thema Klimaschutz für die Branche relevant ist. Rund 79 Prozent der insgesamt 170 Umfrageteilnehmer gaben an, sich künftig mit energetischen Teilsanierungen konfrontiert zu sehen, gut die Hälfte der Befragten mit Vollsanierungen. Aktuell begleiten jedoch erst 43 Prozent bzw. 21 Prozent der Befragten regelmäßig energetische Teil- bzw. Vollsanierungsmaßnahmen.
Energetische Maßnahmen in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) sind aufklärungsintensiv. Immobilienverwalter benötigen umfassende Kenntnisse und Kompetenzen, um dem Informations- und Koordinierungsbedarf der Eigentümergemeinschaften professionell gerecht werden zu können.
Damit die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen professionell koordiniert werden kann, sind grundlegende technische, juristische sowie Kenntnisse von Finanzierungsoptionen und geltendem Ordnungsrecht notwendig. Jedoch nur 10,3 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlen sich sehr gut für die Beratung von Eigentümergemeinschaften zu energetischen Sanierungsoptionen qualifiziert.
Im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative, die Kommunen, Verbraucher, Unternehmen und Bildungseinrichtungen bei der Erarbeitung von Klimaschutzkonzepten unterstützt, entwickelt und etabliert der DDIV gemeinsam mit dem EBZ ein umfassendes Weiterbildungsangebot für Immobilienverwalterinnen und -verwalter. Unterstützt und begleitet wird die Entwicklungsarbeit von Vertretern aus Politik, Wissenschaft, relevanten Verbänden und Unternehmen.

Berufsbegleitend und praxisorientiert

Ergebnis dieser Kooperation der Verbundpartner ist ein berufsbegleitender Zertifikatslehrgang, der über zwölf Monate 30 Lernmodule umfasst. Vermittelt werden sie in Selbstlerneinheiten, didaktisch aufbereiteten Studienbriefen, Webinaren und webbasierten Selbstlernprogrammen sowie Präsenzveranstaltungen, die der Einbettung des selbst Erlernten in praxisrelevanten Kontext dienen. Auch Moderation, Konfliktmanagement und Entscheidungskompetenz stehen im Lehrplan.

Weiterbildung im Baukastenprinzip

Mit dem Ziel, praxisrelevante Kompetenzen und Kenntnisse zu erweitern, richtet sich der Lehrgang an erfahrene WEG-Verwalter, aber auch an Immobilienkaufleute/-fachwirte ohne WEG-Praxis sowie an Quereinsteiger, die sich für die Begleitung von Energieeffizienzmaßnahmen in WEG qualifizieren möchten. Der Lehrplan orientiert sich an der immobilienwirtschaftlichen Berufspraxis und folgt dem idealtypischen Verlauf eines Sanierungsprozesses. Er gliedert sich in fünf Lernfelder mit jeweils unterschiedlichen Modulen, die insgesamt einen Workload von 260 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten ergeben. Die Lernziele werden dabei wie folgt definiert:

  1. Analyse und Information: Das erste Lernfeld befähigt die Teilnehmer u. a. dazu, die für die Umsetzung energetischer Baumaßnahmen im Rahmen des Gemeinschaftseigentums relevanten Rechtsvorschriften zu überblicken und Energiekennwerte ebenso wie bautechnische Gegebenheiten von Gemeinschaftseigentum unter Berücksichtigung energetischer/altersgerechter Gesichtspunkte zu bewerten. Sie erkennen Energieeinsparpotenziale auf Basis des Nutzerverhaltens und können die Eigentümer über notwendige und mögliche Baumaßnahmen beraten.
  2. Planung, Entscheidungsfindung und Beauftragung: Die Themenschwerpunkte dieses weiterführenden Lernfelds befähigen dazu, Sanierungsvorhaben umfassend, unter Einbeziehung von Sachverständigen vorzubereiten. Zentraler Bestandteil ist beispielsweise die Förderung von Moderations- und Beratungskompetenzen, die für die Versammlungsleitung und Entscheidungsfindung in heterogenen Eigentümergemeinschaften unumgänglich sind.
  3. Finanzierung und Förderung: Die Module dieses Lernfelds versetzen Absolventen in die Lage, hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit energetischer Baumaßnahmen zu beraten und auch geeignete Finanzierungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
  4. Umsetzung und Koordination: Das vierte Lernfeld befähigt u. a. dazu, Methoden und Instrumente der Projektorganisation und -steuerung lösungsorientiert anzuwenden oder auch Haftungsrisiken zu erkennen und zu minimieren.
  5. Nachbereitung und Bilanzierung: Dieses Lernfeld dient der Vermittlung von Kenntnissen, z. B. zur Bewertung des Erfolgs der durchgeführten energetischen Sanierungsmaßnahmen und Gewährleistung einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung.

Voraussetzungen für die Zertifizierung als „Geprüfte/r KlimaVerwalter/in (DDIV/ EBZ)“ sind die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen, die Bearbeitung der Selbstlernmodule, der Besuch interdisziplinärer Netzwerkveranstaltungen sowie die Anfertigung und Präsentation einer Projektarbeit, die eine konkrete Aufgabenstellung praxisrelevant behandelt – als Nachweis der Befähigung zu Transfer und Anwendung der erworbenen Kenntnisse.

Kostenfreie Teilnahme und Stipendien

Die Entwicklung und Etablierung des Qualifizierungsprogramms wird bis Anfang 2019 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. So kann in der Pilotphase die Teilnahme am ersten Durchgang des „Zertifikatslehrgangs: Geprüfte/r KlimaVerwalter/in (DDIV/EBZ)“ kostenfrei angeboten werden. Nicht nur Mitarbeiter von Immobilienverwaltungsunternehmen, die die Entwicklung dieses Qualifizierungsprogramms seit Anfang an unterstützen, nehmen teil, es werden auch insgesamt 15 Stipendien von DDIV und EBZ ausgeschrieben: Übernommen werden die Kosten für die Teilnahme an allen Lernmodulen des Zertifikatslehrgangs. Den Stipendiaten entstehen lediglich Reise- und Übernachtungskosten.

Jetzt bewerben

Bewerbungen um die 15 Stipendien werden bis zum 31. August 2017 entgegengenommen. Weitere Informationen und die Online-Bewerbung: http://www.klimaverwalter.de

Fotos: © Jiri Hera / Shutterstock.com


Schlagworte:
Zertifikatslehrgang,Verwalterqualifikation,Weiterbildung

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