Pflichterfüllung per Mausklick?
05.12.2017 Ausgabe: 8/17

Energieausweise: Die energetischen Gebäude-Steckbriefe müssen bei Neuvermietung und Verkauf vorgelegt werden. Wer aber stellt sie aus? Geht das auch online? Im Prinzip ja.

Seit 2009 schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor, dass für Immobilien, die neu vermietet, verpachtet oder verkauft werden sollen, ein Energieausweis vorgelegt werden muss. Transparenz soll er schaffen und Objekte für Mieter und Käufer vergleichbar machen. Seit der EnEV-Novelle 2014 müssen schon Immobilienanzeigen die Angaben aus dem Energieausweis enthalten. Diese Angaben nicht zu machen, gilt seit Mai 2015 als Ordnungswidrigkeit, wofür Bußgelder bis 15.000 Euro drohen. Ausnahmen bestätigen wie so oft auch hier die Regel: Denkmalgeschützte Immobilien und kleine Gebäude bis 50 qm Nutzfläche brauchen keinen Energieausweis, auch wer ein Objekt ausschließlich selbst nutzt, ist davon befreit.

Ausgestellt werden muss ein Energieausweis zudem immer dann, wenn ein Haus neu gebaut oder so umfassend saniert wurde, dass eine energetische Gesamtbilanzierung nach EnEV vorgenommen wird – und nach Ablauf der üblichen Geltungsdauer von zehn Jahren. Die Kosten dafür sind auf Mieter nicht umlegbar. In Eigentümergemeinschaften gilt: Eigentümer, die ihre Wohnung verkaufen oder vermieten wollen, haben einen Anspruch gegen die Gemeinschaft, dass der Ausweis rechtzeitig bereitgestellt wird. Die Kosten sind gemeinschaftlich zu tragen.

Wer darf ihn ausstellen?

Nach EnEV dürfen Energieausweise nur von Fachkräften ausgestellt werden, die eine einschlägige Aus- bzw. Weiterbildung absolviert haben oder entsprechende Berufspraxis vorweisen können. Meist sind dies Ingenieure, Architekten, Physiker oder Handwerker, eine amtliche Zertifizierung oder Zulassung gibt es für sie allerdings nicht – ebenso wenig wie eine vollständige Listung zugelassener Fachleute. Zu verweisen ist insofern auf die Energieeffizienz-Experten für Förderprogramme des Bundes (www.energie-effizienz-experten.de), wo hingegen sonst nur die Bestätigung des Ausstellers eines Energieausweises belegt, dass er dazu persönlich auch berechtigt ist. Wer unberechtigt Energieausweise ausstellt, kann ebenfalls mit einer Geldbuße von bis zu 15.000 Euro belegt werden. Da fehlerhafte Angaben in Energieausweisen auch Haftungsfolgen für Gebäudeeigentümer haben können, sollten mit ihrer Ausstellung Beauftragte eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen, um eventuell daraus entstehende Ansprüche decken zu können. Jeder Energieausweis muss nach EnEV Name, Anschrift, Berufsbezeichnung und die eigenhändige Unterschrift seines Ausstellers tragen. Seit Mai 2014 haben neu ausgestellte Energieausweise zu Prüfzwecken eine individuelle Registriernummer. Sie muss vom Aussteller beim Deutschen Institut für Bautechnik beantragt und nach Zuteilung in den Energieausweis eingetragen werden.

Bedarfs- und Verbrauchsausweis

Als wäre dies alles nicht schon kompliziert genug, gibt es bekanntlich auch noch zwei verschiedene Arten von Energieausweisen: den Bedarfs- und den Verbrauchsausweis. Ersterer zeigt den berechneten Energiebedarf eines Hauses, ist aussagekräftiger, legt aber fachkundige Messungen und Analysen zugrunde, die schon wegen des eigentlich erforderlichen Vor-Ort-Termins mit entsprechenden Kosten von mehreren Hundert Euro zu Buche schlagen. Vorgeschrieben ist er nur für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, bei Bauantrag vor dem 1. November 1977 und wenn sie den Standard der ersten Wärmeschutzverordnung nicht erreichen. Bei allen anderen Gebäuden hat man die Wahl und kann sich auch für den mit Kosten von 25 bis 100 Euro wesentlich günstigeren Verbrauchsausweis entscheiden. Für ihn müssen lediglich die Heizkosten- und Verbrauchsabrechnungen der letzten drei Jahre vorliegen. Tun sie dies nicht, ist ebenfalls ein Bedarfsausweis fällig.

Auf ins Internet!

Die Google-Suche nach „Energieausweis online“ liefert 4 150 000 Treffer. Gibt man zusätzlich die örtliche Postleitzahl ein, wird's deutlich überschaubarer, bleibt aber im fünfstelligen Bereich: Neben zahllosen Bestpreis- und Sofortversprechen bieten Ingenieure und Techniker als Einzelunternehmer die Ausstellung von Energieausweisen online an, ebenso viele regionale Energieversorger, die großen Messdienstleister wie auch Immobilienportale. Die Schlagworte „EnEV-konform“ und „rechtssicher“ finden sich fast überall. Vor dem Hintergrund der EnEV-Anforderungen lohnt sich der Blick aufs Detail: Nahezu alle Online-Anbieter geben für die Erhebung der erforderlichen Gebäudedaten eine Eingabemaske vor, die selbst auszufüllen ist. Für einen korrekten Verbrauchsausweis sind hierzu die Objektdaten und die Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre richtig zu übermitteln, zudem längere Leerstände und ggf. Details zum Energieverbrauch, beispielsweise ob die Warmwasserbereitung inklusive ist.

Online-Angebote prüfen

Aufgabe des beauftragten Ausstellers ist es, diese Daten auf ihre Plausibilität hin zu prüfen und ggf. berechtigte Zweifel an ihrer Richtigkeit zu äußern – woraus sich eine gewisse Verantwortung und Kontrollfunktion ergibt. In den AGB vieler Online-Anbieter findet sich allerdings eine Haftungsausschlussklausel, die sich auf unrichtige Angaben des Auftraggebers bezieht. Eingabefehler ­können so schnell zum Verhängnis werden.

Objektkenntnis?

Selbst die eigentlich Messungen und Berechnungen erfordernden Bedarfsausweise werden online ohne Gebäudebegehung angeboten. Da die Begehung laut EnEV nicht vorgeschrieben ist, ist dies zwar zulässig, kann aber zu erheblichen Mängeln bei der Datenerfassung führen – in der Folge zu falschen Energiekennwerten. Das insgesamt fünfseitige Dokument eines Energieausweises umfasst auch das Formular „Empfehlungen zur kostengünstigen Modernisierung“. Es sieht wirtschaftlich sinnvolle Vorschläge des Ausstellers zur Verbesserung der energetischen Qualität eines Gebäudes vor. Auf diese Empfehlungen darf in der Regel nur bei Neubauten oder kürzlich umfassend energetisch sanierten Gebäuden verzichtet werden – sowohl beim Bedarfs- als auch beim Verbrauchsausweis. Solche Empfehlungen wie auch die Erstellung eines Bedarfsausweises müssen auf Angaben beruhen, die eine gewisse Sachkunde erfordern, sodass entsprechende Online-Angebote zumindest eine telefonische Beratung bei der Erhebung der Gebäudedaten umfassen sollten.

Wohl dem, der sich auskennt!

Nun gibt es im Internet sicherlich nicht nur schwarze Schafe. Aber das Geschäft mit der Energieausweispflicht scheint gut zu laufen. Wer damit vertraut ist, die richtigen Angaben zu machen und zudem beachtet, worauf es ankommt, kann online zum rechtssicheren Energieausweis kommen, damit seine Pflicht per Mausklick erfüllen und bestimmt auch den ein oder anderen Euro sparen. Immerhin: Ein von Haus & Grund im Herbst 2015 durchgeführter Praxistest, für den zehn Energieberater für ein Doppel- und ein Mehrfamilienhaus je einen Energieausweis erstellten, ergab Abweichungen der Energiekennwerte um bis zu 46 Prozent für ein und dasselbe Haus. Die Aussteller stammten überwiegend aus der Liste der Energieeffizienz-Experten des Bundes, hinzu kamen ein frei beauftragter und ein führender Online-Anbieter.

Foto: © ISOVECTOR / Shutterstock.com


Schlagworte:
Ausstellung,Anforderung,Online-Anbieter

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