30 Jahre DDIV
19.07.2018 Ausgabe: 5/18

Am 6. Juli 1988 wurde der Dachverband Deutscher ­Hausverwalter gegründet. Ein guter Zeitpunkt, um ­einmal den Blick zurück und auch nach vorn zu werfen – im ­Interview mit Wolfgang D. Heckeler. Er ist eines der ­damaligen Gründungsmitglieder und bereits seit zwölf ­Jahren Präsident des heutigen DDIV.

Herr Heckeler, welche Motivation führte 1988 dazu, verschiedene Verwalterverbände unter einem gemeinsamen Dach zusammenzuschließen?
Als es 1985 die ersten gemeinsamen Überlegungen für einen Dachverband gab, wollten wir eine übergeordnete Institution schaffen, die die Belange der Regionalverbände gebündelt nach außen vertreten kann. 1988 hoben der VDH Bayern, der VDH Baden-Württemberg und der neu gegründete VDH Hessen schließlich den Dachverband Deutscher Hausverwalter aus der Taufe. Wir wollten über eine bundesweite Organisation unsere Schlagkraft erhöhen und als wichtiger Marktteilnehmer wahrgenommen werden. Zudem war es unser Ziel, mehr Professionalität in unserer Branche zu etablieren und so letztlich auch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb zu schaffen.

Ihr bisheriges Fazit: Ist die Immobilienverwaltung professioneller geworden?
Eindeutig ja, und es ist ein gutes Gefühl, dass der DDIV daran entscheidend mitgewirkt hat. 1992 haben wir die erste Berufsordnung für den noch jungen Beruf des Verwalters veröffentlicht. 1996 haben wir die ersten Musterverträge für die Miet- und WEG-Verwaltung herausgegeben, mit denen Verwalter Haftungsrisiken vorbeugen können und die Leistungen für den Kunden transparent werden. 2011 haben wir mangels beruflicher Mindestqualifikationen für Verwalter vonseiten der Politik Mindeststandards für unsere Neumitglieder eingeführt und setzen uns seit Jahren nachdrücklich für Zugangsvoraussetzungen und eine angemessene Versicherungspflicht ein. Dass im Juni 2017 das Gesetz zur Einführung von Berufszulassungsvo­raussetzungen für gewerbliche Wohnimmobilienverwalter und Immobilienmakler verabschiedet wurde, ist ein Meilenstein für unsere Branche, an dem der DDIV maßgeblichen Anteil hat. Zwar fehlt noch der so wichtige Sachkundenachweis für Verwalter, aber auch dieses Ziel werden wir erreichen.

Die Aktivitäten des Dachverbandes haben sich über die drei Jahrzehnte weiterentwickelt und verändert. Welche Rolle spielte der DDIV aus Ihrer Sicht damals?
In den 1970er und 80er Jahren erlebte Deutschland einen Bauboom und zahlreiche Eigentümergemeinschaften entstanden. Allerdings gab es eine große Diskrepanz zwischen den an einen Verwalter gestellten Ansprüchen und seiner tatsächlichen Qualifikation, die wir durch unsere Tätigkeit abbauen wollten. Außerdem haben wir erkannt, dass ein überregionaler Dachverband gegenüber der Politik deutlich erfolgversprechender agieren kann, als es regionalen Einzelverbänden möglich ist – zumal wir damals davon ausgingen, dass Brüssel bald zum wichtigen Standort werden würde, um unsere politischen Interessen zu vertreten.

… und welche hat er heute für die Landesverbände und ihre Mitgliedsunternehmen?
Heute fungiert der Dachverband als Speerspitze gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Er lanciert erfolgreich die für die Branche relevanten Themen, u. a. Zugangsvoraussetzungen, WEG-Reform und Förderung der E-Mobilität, engagiert sich für verbesserte Rahmenbedingungen für Immobilienverwaltungen und leistungsgerechte Vergütung. Wir haben uns beispielsweise erfolgreich für die Förderfähigkeit des Verwaltermehraufwands bei Sanierungen eingesetzt und geben seit 2012 das Branchenbarometer heraus, das sich inzwischen deutschlandweit als Standardwerk für Branchendaten etabliert hat. Zudem schafft der DDIV mit den Erfa-Gruppen und den AGs „Große Unternehmen“ und „Digitalisierung“ die Basis für einen besseren Austausch, sodass die Mitglieder von Erfolgskonzepten profitieren können. Der Dachverband bietet darüber hinaus seinen Landesverbänden viel Hilfestellung an, die letztlich den Mitgliedsunternehmen zugutekommt. Nicht zuletzt ermöglicht es der DDIV den Landesverbänden damals wie heute, nach außen mit einer Stimme aufzutreten. Das verleiht unseren Forderungen mehr Gewicht, sodass wir die politischen und rechtlichen Voraussetzungen für unsere Branche weiter verbessern können. Das alles wirkt sich positiv auf das Image ­unserer Branche aus.

Wo steht der Verband aus Ihrer Sicht heute in Politik und Öffentlichkeit?
Wir haben uns gerade in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Gesprächspartner in den Medien und auf der politischen Bühne entwickelt. Sicherlich sind wir manchmal unbequem, aber unsere Glaubwürdigkeit und das Wissen, das wir in politische Diskussionen und Gesetzgebungsverfahren einbringen können, gehören zu unseren großen Stärken. Die Politik, aber auch insbesondere unsere Branche honoriert es, dass wir uns fokussiert für die Interessen der Immobilienverwalter einsetzen. Wir haben etliche politische Erfolge für die Branche erzielt, die den Unternehmensalltag entlasten oder neue betriebswirtschaftliche Projekte ermöglichen. Unserer Branche gute Rahmenbedingungen zu ermöglichen, ist unser Ziel – das weiß und schätzt die Branche, wie sich nicht zuletzt an unseren Mitgliederzahlen ablesen lässt. Wir waren daher gut beraten, mit der Gründung des Dachverbandes auf nur eine Berufsgruppe zu setzen. Das ist heute unsere Stärke.

Wie beurteilen Sie die Mitgliederentwicklung der vergangenen Jahre?
Der DDIV repräsentiert heute über seine Landesverbände nahezu 2 500 Verwaltungen. Allein zwischen 2010 und 2018 ist die Mitgliederzahl um 80 Prozent gestiegen. Und wenn ich auf 2006 zurückblicke, also das Jahr, in dem ich zum Präsidenten des DDIV gewählt wurde, haben wir heute weit mehr als doppelt so viele Mitglieder. Den Grund für den deutlichen Zuwachs sehe ich u. a. darin, dass wir mit unseren hohen Ansprüchen an Sachkunde, Dienstleistungsqualität und Verbraucherschutz das gesetzgeberische Niveau deutlich übersteigen. Mitgliedsunternehmen in den Landesverbänden des DDIV zu sein, etabliert sich zunehmend als Qualitätsmerkmal, auf das Eigentümer und Mieter in Zukunft immer mehr vertrauen werden. Unsere Mitgliedsunternehmen schätzen aber auch die Unterstützung, die wir ihnen bieten. So haben wir für sie erst kürzlich mit unseren Landesverbänden umfangreiche Verfahrensverzeichnisse erstellen lassen, mit denen sie die hohen Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung erfüllen können – und die sie von uns kostenlos erhalten. Zudem treiben wir die für Immobilienverwaltungen entscheidenden Themen voran. Beispiele sind die Weiterentwicklung der Vergütungsstrukturen, das Erschließen neuer Geschäftsfelder, verwalterrelevante Lösungsangebote zur Digitalisierung und die gemeinsame Entwicklung passgenauer Produkte mit Dienstleistern der Branche. Ich bin zuversichtlich, dass wir damit schon bald die 3 000-Mitglieder-Marke erreichen.

Wie steht es um das Image der Verwalterbranche insgesamt?
Unsere Branche hat ein Imageproblem. Das zeigt sich deutlich beispielsweise im Fachkräftemangel, der es zunehmend schwerer macht, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Denn zum einen wird der Verwalterberuf häufig als wenig anspruchsvoll angesehen und verlangt insbesondere in der Versammlungssaison den Arbeitseinsatz zur „Unzeit“. Zum anderen ist die Vergütung oftmals nicht so attraktiv, dass sie den „Nachwuchs“ anzieht. Dass hier ein grundlegendes Umdenken stattfindet, ist Ziel unseres Verbands.

Wie kann der DDIV hier die Verbesserung unterstützen?
Wir ermuntern Verwalter beispielsweise, die Versammlungen auch in der regulären Arbeitszeit durchzuführen. Eigentümer nehmen sich tagsüber ja auch Zeit für Arztbesuche, Termine in der Autowerkstatt oder mit Handwerkern – warum also nicht für ihre Altersvorsorge und Geldanlage? Zudem engagieren wir uns dafür, dass die Leistung des Verwalters angemessen vergütet wird. Die Eigentümer erwarten einen erstklassigen Service, aber das geht auf Dauer nicht zu Dumpingpreisen. Dafür schaffen wir ein Bewusstsein – bei Eigentümern und Verwaltern.

Zudem muss dem hohen Anspruch an die Tätigkeit des Verwalters Rechnung getragen werden. Schließlich hat ein Immobilienverwalter mehr als 60 Gesetze und Verordnungen zu beachten und umzusetzen, was enormes Fachwissen erfordert. Die Wahrnehmung muss weg vom schlichten Hausverwalter und dafür hin zum treuhänderischen Immobilienmanager – denn genau diesem Wandel unterliegt unsere Branche!

Mit Blick auf die vielen in der Vergangenheit erzielten Erfolge des DDIV: Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre Ihrer Präsidentschaft?
1. Die Professionalisierung unserer Branche weiter vorantreiben. Der Sachkundenachweis muss kommen. Die Aufgaben des treuhänderischen Immobilienmanagers sind viel zu wichtig für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, als dass man langfristig weiterhin auf eine solche Voraussetzung verzichten könnte.
2. Die Rahmenbedingungen für unsere Branche verbessern – sowohl politisch und rechtlich als auch finanziell. Wir brauchen Rechtssicherheit und müssen für gute Leistung gut vergütet ­werden.
3. Unsere Branche für den ­Nachwuchs attraktiv machen. Unser Beruf ist abwechslungsreich, herausfordernd, anspruchsvoll und entwickelt sich immer weiter – das wollen wir transportieren und wieder Lust auf unsere Branche machen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage an Sie als Gründungsmitglied und Präsident des DDIV: Was war über all die Jahre Ihr schönstes Erlebnis mit dem Dachverband?
Ich hatte in den vergangenen zwölf Jahren sehr viele schöne Erlebnisse mit dem Dachverband, da fällt es schwer, eines hervorzuheben. Das Wichtigste für mich war und ist aber bis heute, ein relevanter Gesprächspartner für die Politik zu sein, um die Interessen unserer Branche bestmöglich vertreten zu können, und wirtschaftliche Stabilität zu erlangen. Dass wir diese Ziele erreicht haben und ein fester Bestandteil der politischen Verbändelandschaft geworden sind, ist für mich im Rückblick auf 30 Jahre DDIV das wohl schönste Erlebnis.


Schlagworte:
DDIV,Jubiläum,Gründung

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