Das rechnet sich!
29.11.2018 Ausgabe: 8/18

Mit der Dämmung wärmeführender Rohr­leitungen lassen sich ohne großen Aufwand erhebliche ­Effekte erzielen.

Dass durch die energetische Sanierung von Altbauten Energie eingespart werden kann, ist unbestritten. Ausschlaggebend für die Investitionsentscheidung dürfte jedoch die Frage sein, ob und wann sich die Maßnahme „rechnet“. Während die Wirtschaftlichkeit der Fassadendämmung derzeit kontrovers diskutiert wird, ist die Effizienz und kurze Amortisation einer Dämmung der Anlagentechnik unbestritten.

In Altbauten entstehen durch ungedämmte Rohrleitungen und Armaturen große Energieverluste. Der jährliche Wärmeverlust, der durch ungedämmte Verteilleitungen und Armaturen im Kellerbereich verursacht wird, kann bis zu einem Viertel des Jahres-Heizenergieverbrauchs eines Wohngebäudes betragen. Von den 39 Millionen Wohneinheiten in Deutschland befinden sich 75 Prozent in Gebäuden, die vor 1979 – also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung – errichtet wurden. Nach der Energieeinsparverordnung hätten nicht nur veraltete Heizungsanlagen bis zum 31. Dezember 2006 ausgetauscht, sondern auch Heizungs- und Warmwasserleitungen in nicht beheizten Räumen gedämmt werden müssen. Dieser Nachrüstverpflichtung sind jedoch längst nicht alle Hauseigentümer nachgekommen.

Am Beispiel eines ­Einfamilienhauses

Wie eine von Armacell durchgeführte Untersuchung 2008 zeigte, können durch eine nach EnEV 100 %-Dämmung zugänglicher Rohrleitungen im unbeheizten Keller eines 140 qm großen Einfamilienhauses jährlich Einsparungen von bis zu 556 Euro erreicht werden, womit sich die Installation schon nach zwei Heizperioden bezahlt gemacht hätte.

Die Amortisation ist abhängig vom Energiepreis und den Kosten für Material und Montage der Rohrdämmung. Während die Dämmstoffpreise seit 2008 um jährlich ca. drei Prozent gestiegen sind, schwankte der Heizölpreis seitdem erheblich. Nachdem er 2012 die Rekordmarke von 0,91 Euro pro Liter erreichte, brach er Ende 2014 stark ein, und 2016 kostete ein Liter Heizöl im Schnitt etwa 0,50 Euro. Derzeit steigt der Preis allerdings wieder und lag im September 2018 bei 0,75 Euro. Da die Rohrdämmung im Vergleich zu anderen energetischen Sanierungsmaßnahmen eine recht kurze Investitionsrentabilität hat, fallen diese Schwankungen jedoch nicht so sehr ins Gewicht, und der Amortisationszeitraum wird auch bei günstigen Energiepreisen und höheren Kosten für die Rohrdämmung zwei bis maximal drei Heizperioden nicht ­überschreiten.

In neueren Gebäuden ­höhere Verluste aus Warmwasserleitungen

Was die Untersuchung auch zeigte: Die Energieverluste von Warmwasserleitungen sind in neueren Häusern höher als die von Heizungsleitungen. Bei neueren Häusern ist die Gebäudehülle besser gedämmt, und es wird – absolut betrachtet – weniger Brennstoff zur Beheizung benötigt. In allen untersuchten Fällen sind die Wärmeverluste von ungedämmten Rohrleitungen im Keller bedeutend höher als die Verluste, die während des Verbrennungsprozesses im Heizkessel entstehen. Dies bedeutet, dass die korrekte Dämmung von Rohrleitungen eine wesentlich effektivere Maßnahme zur Energieeinsparung darstellt als der Austausch des Heizkessels – sie ist relativ kostengünstig und kann die Energieverluste um die Hälfte bis zwei Drittel reduzieren.

Auch in Neubauten eine lohnende Maßnahme

Fälschlicherweise wird oft angenommen, eine gut isolierte Gebäudehülle verhindere bereits in ausreichendem Maße Energieverluste, und Wärmeverluste der technischen Installationen würden nicht verloren gehen. Durch ungedämmte Rohrleitungen und Armaturen entstehen jedoch auch in modernen, gut gedämmten Häusern große Energieverluste.


Auch hier belegt eine Armacell-Studie, welche Effekte sich mit einer entsprechenden Dämmung erzielen lassen. Untersuchungsgegenstand war ein freistehendes, gut gedämmtes Standard-Einfamilienhaus mit einer Nettogrundfläche von 160 qm in ausgewählten europäischen Ländern (Schweden, Polen, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien). Dabei wurden regional unterschiedliche Bauweisen berücksichtigt. Bei der Berechnung wurden internationale und europäische Normen bzw. Vornormen zur Energiebilanz von Gebäuden zugrunde gelegt. In der Studie wurden drei Szenarien mit unterschiedlichen Rohrdämmungsniveaus miteinander verglichen:

  • optimale Dämmung mit einer Schichtstärke, die ungefähr dem einfachen Rohrdurchmesser bei Heizungsleitungen und dem 1,5-Fachen bei Warmwasser­leitungen entspricht
  • nicht optimale Dämmung mit 50 Prozent der Schichtstärken der optimalen Dämmung
  • schlechte/fehlende Rohrdämmung durch 2 mm Schichtstärke simuliert

Es zeigte sich, dass Wärmeverluste aus Rohrleitungen in gut gedämmten Gebäuden nicht komplett rückgewonnen, sprich: zur Beheizung des Gebäudes genutzt, werden können. Im milden europäischen Klima weisen schlecht gedämmte Rohrleitungen jährlich nicht rückgewinnbare Wärmeverluste von bis zu 40 Prozent des Nettoheizwärmebedarfs auf. Erstaunlicherweise liegen die Wärmeverluste in südlichen Regionen mit bis zu 60 Prozent sogar noch höher als in Nord- und Mitteleuropa. Dies lässt sich dadurch erklären, dass nicht rückgewinnbare Wärmeverluste vorrangig aus Warmwasserrohrleitungen im Sommer entstehen. Wärmeverluste aus Brauchwarmwasserleitungen gehen im Sommer zu 100 Prozent verloren, daher sollten diese Leitungen besonders gut gedämmt werden. Auch in modernen, gut gedämmten Häusern lassen sich durch optimale Rohrleitungsdämmungen erhebliche Energie-, Kosten- und CO2-­Einsparungen erzielen.

Fazit

Die technische Dämmung allein der in Kellern zugänglichen Heizungs- und Warmwasserleitungen ist eine der einfachsten und effizientesten Maßnahmen zur Energieeinsparung – selbst dann wenn auf Grund der räumlichen Gegebenheiten nur dünnere Dämmstärken infrage kommen. Werden für die Nachrüstung selbstklebende Schläuche verwendet, die sich einfach über die Rohre schieben und dann verkleben lassen, lässt sich auch die Montagezeit gegenüber anderen Materialien um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Foto: © Armacell


Schlagworte:
Rohrleitungen,Energieeffizienz,Amortisation

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