Die Quote muss steigen!
19.07.2018 Ausgabe: 5/18

Ein EU-Projekt hat sich das Ziel gesetzt, die dringend erforderlichen energetischen Sanierungen in Eigentümergemeinschaften voranzutreiben.

Rund 43 Prozent der europäischen Bevölkerung wohnen in Gebäuden von Eigentümergemeinschaften, die meisten in energetisch schlechtem Zustand. Alarmierend mit Blick auf die ambitionierten EU-Ziele für die Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudebestand: Jährlich werden nur 0,4 bis 1,2 Prozent dieser Häuser saniert. Insbesondere in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) gestaltet sich der Sanierungsfortschritt zögerlich. Bei einem Anteil von ca. 20 Prozent am bundesdeutschen Wohnungsbestand sind brachliegende Potenziale dringend zu heben und die Hemmnisse abzubauen. Die liegen vor allem in der Komplexität der zu ergreifenden Maßnahmen: Eigentümer sind mit den komplizierten gesetzlichen Regelungen, den unübersichtlichen Fördermodellen, vor allem aber sowohl technisch als auch finanziell meist überfordert. Markt und Angebote gestalten sich unüberschaubar. Für Dienstleister wie Immobilienverwalter, die solche Prozesse begleiten sollten, sind Sanierungsvorhaben häufig ein undankbares Geschäft: Viel investierte Zeit in Projekte, die nicht selten an der WEG-Beschlussfassung scheitern.

Beraten und vernetzen

Verwalter, die Schlüsselakteure in solchen Prozessen, unterstützt das vom DDIV mit initiierte Projekt KlimaVerwalter des Bundesumweltministeriums mit adäquaten Qualifizierungsangeboten: www.klimaverwalter.de. Hilfe bietet auch das internationale EU-Projekt mit dem etwas sperrigen Namen Accelerating Condominium Energy Retrofitting, kurz: ACE Retrofitting. Beteiligt sind sechs große Kommunen und drei wissenschaftliche Institutionen der Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Niederlande. Gemeinsam arbeiten sie daran, neben der Realisierung konkreter Sanierungsprojekte in den Kommunen auch übertragbare Lösungen und Tools zu entwickeln, um gerade WEG die Entscheidung für eine Sanierung zu erleichtern. Zudem sollen Sanierungsspezialisten dahingehend unterstützt ­werden, fachbereichsübergreifend zusammenzuarbeiten, um überzeugende, wirtschaftlich rentable Ergebnisse zu erzielen. Letztlich geht es auch darum, alle Akteure zusammenzuführen. Aus Deutschland beteiligt sich das Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main an dem Projekt, das sich als Sanierungswegweiser für WEG versteht. „Zwar ist es noch zu früh, um die Initiativen final zu bewerten“, so Projektmanager Jonas Geissler, „aber es zeigen sich bereits vielversprechende Ansätze.“ Zunächst für Paris, dann für ganz Frankreich wurde das Online-Portal CoachCopro geschaffen – mit Informationen zu Sanierungsthemen für WEG und der Möglichkeit, entsprechende Dienstleister darüber auch zu beauftragen. Mit hochrangiger politischer Unterstützung und Veranstaltungen zur Vernetzung von Eigentümern und Dienstleistern hat sich Frankreich so zum Vorreiter in der WEG-Sanierung entwickelt. Auch Antwerpens Masterplan-Initiative ist ein gutes Beispiel. Dort zielt ein von der Stadt geförderter Beratungsansatz darauf ab, für Gebäude mit mehr als 20 Wohneinheiten einen transparenten Fahrplan zur Verbesserung der Energieperformance zu entwickeln, der Sanierungsperspektive, Renovierungszyklen und Lebenszykluskosten in Zusammenhang bringt. Auch Frankfurt setzt zur Problemlösung an: Hier wurde ein kostenloses Beratungsangebot für WEG und ihre Verwalter zu allen häufig als komplex wahrgenommenen Sanierungsfragen geschaffen. Es umfasst die objektive Begleitung des gesamten Sanierungsprozesses – von der ersten Potenzialanalyse bis zur Abnahme der Bauleistungen – durch die Stadt als neutralem, vertrauenswürdigem Ansprechpartner. Frankfurt treibt derzeit die Etablierung einer Internetplattform nach dem französischen Vorbild voran – und setzt zudem auf das gemeinsame zielstrebige Handeln von Kommunen, Politik und Verbänden.

Foto: © gopixa / Shutterstock.com


Schlagworte:
Förderprojekt,ACE-Retrofitting,EU-Projekt

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