Lebensrettende Gebäudetechnik
19.07.2018 Ausgabe: 5/18

Ein Überblick über die wichtigsten Regularien zum Thema Wartung und Instandsetzung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, nach Empfehlungen des VDI e.V.

Die Wartung und Instandhaltung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen ist ein zentrales Thema, insbesondere für die für die regelmäßige Funktionsüberwachung Zuständigen: Immobilieneigentümer und Verwalter. Allerdings ist es nicht ganz einfach, bei allen Vorgaben, Normen und Regelungen den Durchblick zu bewahren, um den Pflichten in Sachen Brandschutz nachzukommen.

Normen, Richtlinien, Verordnungen
Neben den in Deutschland geltenden Brandschutzbestimmungen, regelt auch eine Norm den Einbau und die Wartung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen: DIN 18 232-2 Kapitel 10 gilt für Anlagen, die Menschen warnen und beschützen sollen. Auch die Musterbauordnung (MBO) informiert: In § 3 ist verankert, dass „die baulichen Anlagen so anzuordnen, zu erreichen oder zu ändern und in Stand zu halten sind, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben oder Gesundheit, nicht gefährdet werden“. § 17 legt des Weiteren fest, „dass bauliche Anlagen so anzuordnen, zu erreichen und in Stand zu halten sind, dass der Entstehung und Ausbreitung von Schadenfeuer vorgebeugt wird“. Dies bezieht sich insbesondere auf die Komponenten des baulichen Brandschutzes und umfasst auch die Wartung, Instandhaltung und die Instandsetzung von Rauch- und ­Wärmeabzugsanlagen.

Auch die Versicherer geben Richtlinien für den Brandschutz vor, etwa die VdS Schadenverhütung GmbH, eine Tochter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV): In der VdS-Richtlinie 2098 heißt es aufbauend auf DIN 18 232, dass der Verwalter einer Immobilie die Aufgabe hat, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen in regelmäßigen Abständen, mindestens jedoch jährlich von einer Fachfirma prüfen, warten und gegebenenfalls instand setzen zu lassen. Dies umfasst die Betätigungs-, Steuer- und Öffnungselemente, Energieleitungen und das Zubehör. Sollte der Versicherer aufgrund des Vorhandenseins der Anlagen einen Rabatt auf die Prämie gewähren, wird darauf hingewiesen, dass die Prüfungen im halbjährlichen Rhythmus zu erfolgen haben.

Ebenso geht aus der Technischen Prüfverordnung (TPrüfVO) vom Dezember 2006, § 2 Prüfungen, die Verpflichtung hervor, dass bauaufsichtlich anerkannte Prüfsachverständige (z. B. TÜV oder Dekra) Anlagen auf ihre Wirksamkeit und Betriebssicherheit überprüfen müssen. Vorgeschrieben ist die Prüfung für folgende Anlagen:

  • Lüftungsanlagen (aus Gründen der ­Feuerwiderstandsfähigkeit)
  • CO-Warnanlagen
  • Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
  • Maschinelle Anlagen zur Rauchfreihaltung von Rettungswegen
  • Selbsttätige Feuerlöschanlagen (Sprinkler, Sprühwasser, Wassernebel)
  • nicht selbstständige Feuerlöschanlagen mit nassen Steigleitungen
  • Druckerhöhungsanlagen, einschließlich des Anschlusses an das Wasserversorgungsnetz
  • Brandmelde- und Alamierungsanlagen
  • Sicherheitsstromversorgungen

Prüfungen sind vor der ersten Inbetriebnahme, nach baulichen Veränderungen und mindestens alle drei Jahre durchzuführen. In berechtigten Einzelfällen, wenn dies zur Gefahrenabwehr notwendig ist, kann die untere Baubehörde auch kürzere Prüfintervalle anordnen.

Wichtig: Dies ist vom Verwalter, Bauherrn oder Betreiber eines Objekts zu beauftragen. Zugleich hat der Verwalter für die Bereitstellung der ­notwendigen Vorrichtungen sowie Arbeitskräfte zu sorgen und die erforderlichen Unterlagen bereitzuhalten. Die Prüfunterlagen müssen jeweils für sechs Jahre vom Verwalter, Betreiber oder Bauherrn aufbewahrt und der unteren Baubehörde auf Verlagen vorgelegt ­werden.

Werden an den Anlagen anderweitige amtliche Überprüfungen durchgeführt, um ihre Funktion und Wirksamkeit festzustellen, kann auf die turnus­mäßige Überprüfung durch den Prüfsachverständigen ­verzichtet werden.

Nach DIN 13 232 umfasst die Wartung Folgendes:

  • Sichtkontrolle auf Vollständigkeit der Anlage
  • Mechanische Prüfung: Schrauben, Muttern und Stifte nachziehen und eventuell sichern
  • Elektrische Prüfung: Netzspannungen und Sekundärspannungen vorhanden, Ladespannungen prüfen, eventuell nachregeln
  • Notstrombatterien prüfen, Anschlüsse reinigen und auf Festigkeit prüfen
  • Anlage auslösen und Funktionsfähigkeit prüfen
  • Klappengängigkeit überprüfen und Anlagenteile säubern
  • Anlage in Funktion bringen, Druckgas­generatoren, Glasfässchen und CO2-Patronen erneuern
  • Abnahmeprotokoll und Wartungsbuch ­ausfüllen

Zusätzlich ist vom Immobilienverwalter stets eine zwischen den Intervallen liegende Sichtkontrolle durchzuführen, die auch entsprechend im Wartungs- oder Prüfbuch dokumentiert werden muss. Zeigen sich Schäden oder ist Instandsetzung nötig, sollte darauf geachtet werden, dass dafür verwendete Ersatzteile oder Verbrauchsmaterialien im allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnis ABP nach DIN 13 232-3 anerkannt sind, oder dass vom Hersteller und Errichter der Anlage freigegebene Originalteile verwendet werden.

Die Pflichten des Verwalters

Ein Verwalter ist dazu verpflichtet, die Wartung und Instandhaltung der Rauch- und Wärmeabzugsanlagen eigenständig zu koordinieren, zu überwachen und den Auftrag an eine Fachfirma zu vergeben. Zu beachten ist zudem, dass alle Verpflichtungen und veranlassten Wartungen, Prüfungen und Instandsetzungen dokumentiert werden müssen. Alle Ergebnisse und Erfordernisse werden auf diese Weise transparent erfasst und sind bei Bedarf – beispielsweise im Versicherungsfall – belegbar. Bei der Dokumentation der Maßnahmen lohnt sich die Orientierung an folgenden Terminen und Fristen:

  • Abnahme und Erstinbetriebnahme der Anlage durch den Errichter
  • Jährliche Wartung durch die beauftragte ­Fachfirma
  • Halbjährliche Sichtkontrolle durch die ­Verwaltung, Hausmeister, FM etc.
  • Dreijährliche Untersuchung durch ­Sachverständige nach TPrüfVO

Unterlagen, die der Verwalter bewahren muss:

  • Betriebs- bzw. Wartungsbuch
  • Erstabnahme und bauaufsichtliches ­Prüfzeugnis
  • Protokoll der Sichtkontrolle
  • Herstellerunterlagen und technische ­Datenblätter
  • Prüfergebnisse der letzten sechs Jahre
Expertenrat

Aus Sicht des VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. sind mit der Einhaltung der erläuterten Vorgaben, der Pflege und Archivierung aller erforderlichen Dokumente und der gewissenhaften Wahrnehmung der Prüftermine die Voraussetzung gegeben, um den Betreiberpflichten in Bezug auf Rauch- und Wärmeabzugsanlagen vollumfänglich nachzukommen. Erfolgen Wartung und Instandsetzung dieser Anlagen nicht ordnungsgemäß, bergen sie erhebliche Gefahr für Leib und Leben. Versäumnisse können insofern gravierende strafrechtliche Konsequenzen haben.

Foto: © ambrozinio / Shutterstock.com


Schlagworte:
Gebäudetechnik,Wartung,Instandhaltung

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