Nach 30 Jahren ist Schluss
19.07.2018 Ausgabe: 5/18

Gebäudeeigentümer sind für den Austausch alter Gas- und Öl-Heizkessel in ihren Immobilien verantwortlich – so die EnEV.

Zu den Aufgaben von WEG-Verwaltern und Vermietern gehört es, den Sanierungsbedarf ihrer Immobilien und vor allem der Heizungsanlagen im Blick zu haben. Bei regelmäßiger Wartung kann eine Öl- oder Gasheizung zwar jahrelang zuverlässig funktionieren, mit der Zeit aber entwickelt sich nicht nur die Heiztechnik weiter, auch gesetzliche Bestimmungen ändern sich. Mit Blick auf die Energieeffizienz lohnt es sich ohnehin, eine alte Heizung zu modernisieren: Neue Wärmeerzeuger nutzen die Energie der Brennstoffe Öl oder Gas effizienter, schonen so die Umwelt und senken zudem die Mietnebenkosten. In vielen Fällen ist die Heizungsmodernisierung aber auch gesetzlich vorgeschrieben: Die seit Mai 2014 geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) verpflichtet Hauseigentümer, Gas- oder Öl-Wärmeerzeuger auszutauschen, die 30 Jahre oder älter sind.

Konstanttemperaturkessel sind überholt

Die Kesseltauschpflicht gemäß EnEV gilt nicht für alle Heizkesseltypen oder Einbau- und Wohnsituationen. In erster Linie betrifft sie Konstanttemperaturkessel mit einer Leistung zwischen vier und 400 kW. Solche Wärmebereiter waren in den 1970ern Stand der Technik und heizen permanent, um die Kesseltemperatur auf konstant hohem Niveau zu halten. Der Grund dafür liegt in den verbauten Materialien: Sie bestehen aus Gusseisen, das bei Kontakt mit dem bei niedrigen Temperaturen entstehenden sauren Abgaskondensat korrodiert. Um dies zu verhindern, heizen Konstanttemperaturkessel unabhängig vom tatsächlichen Wärmebedarf – mit hohen Bereitschaftsverlusten und negativem Einfluss auf die Energieeffizienz. Wird ein solcher Kessel durch einen modernen Brennwertkessel ersetzt, lassen sich oft zwischen 20 und 30 Prozent Energie einsparen – viel Potenzial für die Schätzungen zufolge mehr als zehn Prozent aller Heizungsanlagen in Deutschland mit Konstanttemperaturkesseln.

Hier gelten Ausnahmen

Einige Heizsysteme sind von der Kesseltauschpflicht ausgenommen, zum Beispiel Systeme in Ein- oder Zweifamilienhäusern, deren Eigentümer vor dem 1. Fe­bruar 2002 eine der Wohnungen selbst bewohnt hat. Hat es nach diesem Stichtag einen Eigentümerwechsel gegeben, muss der neue Besitzer den alten Heizkessel innerhalb von zwei Jahren, nachdem die Immobilie in seinen Besitz übergegangen ist, austauschen. Die Kesseltauschpflicht der EnEV gilt zudem nicht für Festbrennstoffkessel, die mit Holz heizen, direkt befeuerte Warmwasserbereiter oder Einzelraumheizungen.

Stand der Technik: Brennwertkessel

Auch Niedertemperatur- oder Brennwertkessel müssen nicht ausgetauscht werden. Im Gegensatz zu Konstanttemperaturkesseln eignen sich Niedertemperatur-Wärmeerzeuger auch für niedrige Vorlauftemperaturen, weil Materialien wie Edelstahl verbaut sind, die bei Kontakt mit saurem Kondensat nicht korrodieren. Sie brauchen die hohe Kesseltemperatur also nicht und sparen somit im Vergleich Energie, weil sie nur die Wärme erzeugen, die tatsächlich benötigt wird. Stand der Technik ist die Brennwerttechnik, die auch die Kondensationswärme nutzt und so besonders effizient heizt: Brennwertkessel kühlen das bei der Verbrennung entstandene Abgas so weit ab, dass das verdampfte Wasser kondensiert. Das setzt genauso viel Energie wieder frei, wie für das Verdunsten des Wassers nötig war – und diese Energie nutzt das Brennwertgerät. Je nach Kondensationsmenge lassen sich so bis zu 99,5 Prozent der Energie im Brennstoff nutzen. Brennwertkessel heizen bedarfsgerecht und sparsam, indem sie nur dann Wärme zur Verfügung stellen, wenn sie auch gebraucht wird.

Welche Heizkessel sind betroffen?

Einen ersten Hinweis darauf, ob ein Heizsystem von der Austauschpflicht gemäß EnEV betroffen ist, gibt das Baujahr des Kessels. Ist es nicht bekannt, kann das Protokoll der Feuerstättenprüfung Auskunft geben, das Baujahr, Leistung, Energieträger und Fa­brikat dokumentiert. Hauseigentümer können es beim Bezirksschornsteinfeger einsehen und so erkennen, ob und wann ein Kessel ausgetauscht werden muss. Um festzustellen, welche Heiztechnik ein System nutzt, reicht oft ein Blick auf die Anlage: Moderne Brennwertkessel etwa sind relativ leicht zu erkennen, weil sie mit einem sichtbaren Kondensatablauf ausgestattet sind. Wer sich nicht sicher ist, ob eine Heizung von der Austauschpflicht betroffen ist, sollte sich an einen SHK-Experten oder den Hersteller des Heizkessels wenden.

Kesseltausch gut vorbereiten

Weil jede Heizungsmodernisierung, jeder Kesseltausch gut vorbereitet sein will, empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und mit allen Beteiligten, etwa Wohnungseigentümern und SHK-Experten, ins Gespräch zu kommen – um technische Details zu klären und die erforderliche WEG-Beschlussfassung in die Wege zu leiten. Um die Umsetzung zu erleichtern, empfiehlt es sich, geeignete Geräte gründlich zu vergleichen: Einige ­Hersteller haben mitgedacht und neue Heizkessel so entwickelt, dass z. B. die Lage der Anschlüsse den Austausch möglichst unkompliziert gestalten.

Gegebenenfalls qualifiziert sich die geplante Heizungssanierung zudem für Fördermittel: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt Einzelmaßnahmen in Zusammenhang mit einer „Erneuerung der Heizungsanlage“ mit einem Investitionszuschuss von bis zu 7.500 Euro je Wohneinheit. Auch deswegen sollten sich Hauseigentümer und WEG-Verwalter möglichst frühzeitig mit der Kesseltauschpflicht auseinandersetzen. Auf die Auflage zum Tausch durch den zuständigen Bezirksschornsteinfeger zu warten oder den alten Kessel gar weiter zu betreiben, ist nicht zu empfehlen.

Fazit

WEG-Verwalter und Hauseigentümer ­sollten Baujahr und technische Gegebenheiten ihrer Heizkessel kennen, um früh planen zu können, falls die Anlage von der Kesseltauschpflicht betroffen ist. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben lohnt sich eine Heizungsmodernisierung meist schon nach rund 25 Jahren: SHK-Experten und Heizungshersteller bieten viele Möglichkeiten, regenerative Energien sowie Fernwartungs- und Regelsysteme in die Heizungsanlage einzubinden und sie so besonders effizient zu machen. Moderne Brennwertkessel nutzen bis zu 99,5 Prozent der Energie im Brennstoff aus und gewährleisten so eine hohe Energieeffizienz der Anlage. Mit genug Vorlauf profitieren WEG-Verwalter und Hauseigentümer zudem von Fördermöglichkeiten. Eine moderne Heizung schont nicht nur die Umwelt, sondern senkt auch die Nebenkosten der Mieter.

Foto: © Robert Neumann / Shutterstock.com


Schlagworte:
Brennwertkessel,Kesseltausch,Heizungssanierung

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