Neue Perspektiven?!
22.01.2018 Ausgabe: 1/18

Submetering, Funkauslesung von Verbrauchserfassungsgeräten, digitale Datenverarbeitung – alles vernetzt, und trotzdem steht beim Wechsel des Messdienstleisters noch immer der Geräteaustausch an, oder?

Digitalisierung und Energiewende erfordern viele Veränderungen in der Immobilien- und Energiewirtschaft – gleichzeitig eröffnen sie beiden Seiten auch viele neue Möglichkeiten. Erste Anzeichen hierfür sind bereits sichtbar: Das Messwesen für Strom, Erdgas und Submetering ist liberalisiert und unterliegt dem freien Wettbewerb. Obwohl die eingesetzten Technologien nicht identisch sind, können sie grundsätzlich gemeinsam zum Einsatz kommen. Eine Bündelung von Smart Metering und Submetering ist also bereits möglich. Auch die Stromzähler der einzelnen Verbraucher können zukünftig in das Bündelangebot aufgenommen werden. Dennoch gibt es noch einiges zu tun: Gerade beim Anbieterwechsel mit fernauslesbarer Funktechnologie sind die Unternehmen der Immobilienwirtschaft noch weit von einer Lösung entfernt, die es Verwaltungen ermöglicht, den Dienstleister unkompliziert zu wechseln. Das liegt daran, dass die frühe Entwicklung keinen einheitlichen Standard vorsah, sodass die Systeme nicht miteinander kompatibel waren. Die individuelle Verschlüsselung aller Funkgeräte verhindert die Kommunikation untereinander. Bei einem Dienstleisterwechsel müssen sie ausgetauscht werden, weil der jeweilige Verschlüsselungscode nicht weitergeben werden kann. Sonst wäre in Kauf zu nehmen, dass alle Liegenschaften, die mit diesen Geräten ausgestattet sind, auslesbar wären. Auch der Kc-Faktor zur Erfassung der Wärmeabgabe von Heizkörpern bleibt in der Regel „Dienstgeheimnis“ und muss mit zusätzlichem Aufwand neu ermittelt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Messdienstleister sich nicht so recht aus der Deckung wagen: Wer seine Systeme als erstes öffnet, läuft Gefahr, Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dennoch tut sich bereits was:

Vernetzung macht Daten verfügbar

KALO beispielsweise setzt sich dafür ein, Immobilien klimaintelligent zu steuern. Die Unternehmensgruppe setzt dabei auf Lösungen, deren digitale Infrastrukturen und Datenauswertung einen Beitrag zur Energieeinsparung in Immobilien leisten, somit den CO2-Ausstoß mindern. Als Teil der noventic Gruppe nutzt KALO dabei die Kernkompetenzen der anderen selbstständig agierenden Unternehmen. Eine zentrale Position nimmt hier der Hersteller des vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierten Smart Meter Gateways ein. Es ermöglicht den sicheren Versand und Empfang von Daten sowie die Übermittlung vom Messstellenbetreiber an berechtigte Dritte. Über eine intelligente Datenplattform, die alle Gebäude- und Nutzerdaten zusammenführt, können auch unterschiedlichste Geräte standardisiert kommunizieren und für Dienstleistungen darauf zugreifen – z. B. die KALO Heizkostenabrechnungen. Die Datenhoheit verbleibt beim Liegenschafts- oder Objekteigentümer, der selbst entscheidet, wem Daten in welcher Form zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt werden.

Interoperabilität ist möglich

Einen weiteren Baustein der klimaintelligenten Steuerung von Immobilien stellen die interoperablen Geräte im Gebäude dar, Geräte also, die auf demselben Standard kommunizieren. Qundis deckt als führender Gerätelieferant für viele Messdienste diesen Bereich ab: Heizkostenverteiler, Wasserzähler, Wärmemengenzähler, Rauchwarnmelder, weitere Sensorikanwendungen und Funksysteme zur Fernauslesung, u.a. auch mit zertifizierten OMS-Heizkostenverteilern. So steht es Eigentümern zukünftig frei zu entscheiden, welche Geräte in einer Immobilie eingesetzt werden sollen.

Der herstellerübergreifende Standard

Zusammen mit mehr als 50 anderen Unternehmen und Verbänden arbeitet Techem seit einigen Jahren in der OMS Group an einem gemeinsamen, europaweiten Standard für die Funkauslesung von Erfassungsgeräten. U. a. Messdienstleister sowie Hersteller von Zählern oder Heizkostenverteilern haben mit der „Open Metering System Specification“ einen offenen, herstellerübergreifenden Standard für Kommunikationsschnittstellen und die Basisanforderungen an Geräte entwickelt. Die neueste Generation der Techem Heizkostenverteiler und ein großer Teil der neu verbauten Wasser- und Wärmezähler entspricht bereits diesem Standard. Bei Neuausstattungen oder dem Austausch alter Geräte werden im Techem-Service nun OMS-fähige Geräte verbaut. Sie bieten trotz der erwähnten Inkompatibilität der Systeme mehr Flexibilität. Im Falle eines Anbieterwechsels sind sie mit entsprechenden Ablesegeräten und sofern der individuelle Geräteschlüssel vorliegt auch von anderen Messdienstleistern auslesbar. Datenschutz und Datensicherheit sollten dabei auf allen Seiten oberste Priorität haben.

Foto: © Marie Maerz / Shutterstock.com


Schlagworte:
Funkauslesung,Interoperabilität,Vernetzung

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