Unterschätzte ­Gefahr
19.07.2018 Ausgabe: 5/18

Starkregen kann jeden treffen. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. hin.

Flusshochwasser betrifft im Regelfall nur ufernahe Gebiete. Heftige Niederschläge können sich hingegen überall ereignen – mit teils verheerenden Folgen. Für die Bewohner der Gemeinde Leegebruch, nördlich von Berlin, brachte das Unwetter Ende Juni 2017 eine neue Erfahrung: Rund 250 Liter Regen pro Quadratmeter gingen innerhalb von 24 ­Stunden ­nieder, gut ein Drittel der sonst jahresüblichen Menge – und noch immer kämpfen viele dort mit den Folgen. Die extremen Regenmengen haben den örtlichen Wasserspiegel so weit erhöht, dass bis heute Feuchtigkeit in die Keller dringt.

Der Fall zeigt, dass extreme Niederschläge selbst dort zu erheblichen Schäden führen können, wo man es nicht sofort vermuten würde: abseits großer Flüsse oder enger Täler.

Kanalisation der Städte überfordert

Nicht nur große Teile Leegebruchs versanken im Wasser, zeitgleich standen auch in Berlin etliche Straßenzüge, U-Bahnhöfe, Tunnel und Unterführungen unter Wasser, Tausende Keller liefen voll. Insgesamt verursachte Tief „Rasmund“ allein in Berlin und ­Brandenburg Sachschäden von rund 60 Mio. Euro.

Dass extreme Wassermassen die Städte überfordern, ist der Normalfall. Die Abwasserkanäle sind meist so dimensioniert, dass sie nur Regenmengen wie sie statistisch alle zwei bis fünf Jahre auftreten problemlos abführen können. Jahrhundertniederschlägen sind sie nicht gewachsen. So fließen solche Regenmassen vor allem oberirdisch ab – mit wachsender Zerstörungskraft durch die erhöhte Fließgeschwindigkeit in Hanglagen. Starkregen ist daher für Orte an kleinen Bächen oder in engen Tälern besonders gefährlich – auch wegen der kurzen Vorwarnzeiten. Meteorologen können Tiefdruckgebiete zwar rechtzeitig erkennen, nicht jedoch, wo und wieviel es genau regnen wird.

So sind die Schäden versichert

Trotz der erkennbaren Zunahme des Starkregen­risikos sind nur 41 Prozent aller Gebäude in Deutschland gegen Elementarschäden wie Hochwasser und Überschwemmung finanziell abgesichert. Voraussetzung, um solche Schäden ersetzt zu bekommen, ist eine Elementarschadenversicherung. Sie ist als erweiterter Naturgefahrenschutz zur Wohngebäudeversicherung abzuschließen, um nach Starkregen, Hochwasser, Überschwemmung oder Rückstau Anspruch auf folgende Leistungen zu haben:

  • Reparaturen im und am Haus sowie an Nebengebäuden (z. B. Garage oder Schuppen)
  • Trockenlegung und Sanierung des Gebäudes
  • Ggf. Abriss des Gebäudes
  • Konstruktion und Bau eines gleichwertigen Hauses

Während der erweiterte Naturgefahrenschutz in neuen Wohngebäudeversicherungen oft automatisch mit angeboten wird, fehlt der Baustein „Elementarschadenversicherung“ bei älteren Policen häufig. Ältere Verträge sollten deshalb nachträglich um diesen Zusatzbaustein ergänzt werden – bevor es im Schadenfall zum „bösen Erwachen“ kommt.

Foto: © Sergey Zaykov / Shutterstock.com


Schlagworte:
Gebäudeversicherung,Elementarschäden,Schadenminderung

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