Zum Jahresbeginn 2018
22.01.2018 Ausgabe: 1/18

Steuerliche Hinweise für Arbeitnehmer und Unternehmer

Zunächst ein Blick zurück ins Jahr 2017: Bereits Ende Mai 2017 lief die gesetzliche Frist für die Einreichung von Einkommensteuererklärungen für das Jahr 2016 ab. Wer steuerlich vertreten ist, konnte sich auf die Fristverlängerung für die steuerberatenden Berufe zurückziehen, die meist bis zum 31.12.2017 reicht, in einigen Bundesländern sogar bis zum 28.2.2018.

Erstattungsansprüche wahrnehmen

Für Arbeitnehmer, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet waren, konnte bis 31.12.2017 noch rückwirkend bis zum Steuerjahr 2013 eine Veranlagung beantragt werden; in 2018 rückwärts bis 2014. Mögliche Erstattungsansprüche werden vom Finanzamt zum Teil mit 6 Prozent lukrativ verzinst. Da Erstattungen in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei 900 Euro lagen, lohnt es sich für viele Arbeitnehmer, eine Steuererklärung einzureichen, auch wenn keine Pflicht besteht.
Mit der Wahl der Steuerklassen können Arbeitnehmer ihre Steuerlast oft im Voraus beeinflussen. Gerade bei unterschiedlichen Einkünften können Eheleute oder eingetragene Partnerschaften für den Besserverdienenden die Steuerklasse III, für den Partner die Steuerklasse V wählen. Bei unterjährigen Veränderungen können sich aber auch Nachforderungen des Finanzamtes nach Jahresabschluss ergeben. Eine recht präzise Form der Steuerklassenwahl ist das Faktorverfahren, bei dem nach den Verhältnissen der Bezüge zueinander ein Faktor errechnet wird, der dann für den Lohnsteuerabzug gilt.

Beim Bezug von Lohnersatzleistungen kann sich die umgekehrte steuerliche Gestaltung lohnen, weil Elterngeld oder andere Lohnersatzleistungen an die Netto-Bezüge anknüpfen. Bei höherem Netto fallen die Lohnersatzleistungen höher aus. Zwar muss der weiterhin Verdienende mit der ungünstigeren Steuerklasse höhere Steuerabzüge hinnehmen, die höheren Lohnersatzleistungen bleiben aber, wobei die höheren Steuerabzüge des anderen Partners durch die Steuerveranlagung weitgehend wieder zurückfließen.

Das ist zu berücksichtigen

Bei Steuererklärungen für 2017 sollte nicht vergessen werden, dass ausländische Banken seit 2017 Informationen über Auslandskonten dem Bundeszentralamt für Steuern zur Weiterleitung an die Wohnsitzfinanzämter der Kapitalanleger weitergeleitet haben; auch Konto- bzw. Depotbestände werden übermittelt. Damit ist das Bankgeheimnis sozusagen aufgelöst.

Beitragsrückerstattungen der Krankenversicherungen mindern zum Zeitpunkt der Gutschrift den Abzug der sonst voll abziehbaren Krankenversicherungsbasisbeiträge. Für Bonuszahlungen gilt dies aber nicht, da sie nicht als Beitragserstattungen gelten.

Durch die Rechtsprechung haben sich die Grundlagen für die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers geändert. Grundsätzlich können Aufwendungen dafür als Betriebsausgaben oder Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt. In diesem Fall sind die Kosten in voller Höhe abzugsfähig. Ist es nicht Mittelpunkt der Tätigkeit, steht aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, z. B. bei Lehrern, sind Aufwendungen bis zu 1.250 Euro im Jahr absetzbar. Hierzu ist das BMF-Schreiben vom 6.10.2017 heranzuziehen, das im Zweifel Antwort gibt und auf alle noch offenen Fälle anzuwenden ist.

Unverzinsliche Angehörigen-Darlehen im Unternehmensbereich sind abzuzinsen, wenn der Darlehensvertrag steuerrechtlich im Fremdvergleich anzuerkennen ist (BFH-Urteil vom 13.7.2107 – VI R 62/15).

Was gibt’s Neues für 2018?

Die allgemeine Frist zur Abgabe der Steuererklärungen wird um zwei Monate verlängert, aber erst für Besteuerungszeiträume nach dem 31.12.2017! Dann gilt der 31.7. des Folgejahres, bei Vertretung durch steuerliche Berater der 28.2. des Zweitfolgejahres. Für Besteuerungszeiträume nach Ablauf des Jahres 2017 wird ein Verspätungszuschlag automatisch festgesetzt, wenn eine Steuererklärung nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs oder des Besteuerungszeitpunkts eingereicht wurde. Für jeden angefangenen Monat werden 0,25 Prozent der um Vorauszahlungen und anzurechnende Steuerabzugsbeträge bereinigten Steuer berechnet, mindestens jeweils 25 Euro.

Dokumentation der Buchführung

Ab 2018 müssen Unternehmer eine Verfahrensdokumentation über ihre organisatorische und technische Buchführungsverwaltung vorlegen können. Grundlegend gelten das HGB und die Grundsätze ordnungsgemäßer DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS). Ergänzend gelten die Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU), denen die Abgabenordnung zu Grunde liegt. Digitale Registrierkassen müssen diesen Grundsätzen gerecht werden. Kleinunternehmer, die nur eine offene Ladenkasse führen, müssen aber nicht auf ein elektronisches Kassensystem wechseln.

Ab 2.1.2018 wird eine sog. Kassen-Nachschau eingeführt. Sie erfolgt unangekündigt! Bei Feststellung von Mängeln kann ohne Prüfungsanordnung unmittelbar zu einer Außenprüfung übergegangen werden. Insbesondere Bargeld-intensive Betriebe sollten damit rechnen, dass sich vorab ein Finanzbeamter im Geschäftsraum unauffällig einen Überblick verschafft. Gründe für eine Kassen-Nachschau können z. B. sein: Kontrollmitteilungen, Branchenerfahrungen oder sogar Testkäufe, die zu Auffälligkeiten führen. Neben Kassensystemen oder Waagen mit Registrierkassenfunktion können auch Geldspielgeräte, Taxameter und Wegstreckenzähler ­einbezogen werden.

Abschreibungen

Die Sofortabschreibung sog. geringfügiger Wirtschaftsgüter (GWG) wird für Anschaffungen ab 2018 von 410 auf 800 Euro erhöht. Zugleich ist auch die Wertgrenze für die Bildung eines Sammelpostens von 150 auf 250 Euro angehoben worden. Die steuerlichen Aufzeichnungspflichten wurden in diesem Zusammenhang auch auf 250 Euro erhöht.

Erträge aus Investmentfonds

Investmentfonds führen mit Ausnahme der Rentenfonds 15 Prozent Körperschaftsteuer ab. Ausschüttungen und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen unterliegen beim Anleger der Abgeltungsteuer. Je nach Art des Fonds mindert sich die Bemessung der Abgeltungsteuer um 30 Prozent bei Aktienfonds, um 15 Prozent bei Mischfonds und bei Immobilienfonds um 60 Prozent bzw. bei überwiegend ausländischen Immobilien sogar um 80 Prozent.

Zusammenveranlagung

Ab 2018 werden Ehegatten und eingetragene Lebenspartner bei Erfüllung der Voraussetzungen zur Zusammenveranlagung automatisch in die Steuerklasse IV eingeordnet. Auf gemeinsamen Antrag können sie die Steuerklassen III/V erhalten. Für einen Wechsel in die Steuerklasse IV genügt der Antrag eines Ehegatten.

Steuerliche Entlastungen ab 2018:
  • Erhöhung des Grundfreibetrags auf 9.000 Euro
  • Anhebung des Kinderfreibetrags auf 4.788 Euro
  • Erhöhung des monatlichen Kindergeldes für das 1. und 2. Kind auf 194 Euro, für das 3. Kind auf 200 Euro, für das 4. und jedes weitere Kind auf 225 Euro
  • Erhöhung des Unterhaltshöchstbetrags entsprechend der Anhebung des Grundfreibetrags
  • Ausgleich der „kalten Progression“ durch Verschiebung der übrigen Tarifeckwerte: 2018 um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2017 von 1,65 Prozent


Foto: © Yoki5270 / Shutterstock.com


Schlagworte:
2018,Neuerungen,Steuererklärung

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